28. Mai 2014 von Peter Hofmann

Schriftfrühstück: Lukas Paltram

Lukas Paltram
Lukas Paltram ist die Wiener Außenstelle der Londoner Foundry Dalton Maag. Zu seinem Schriftgestaltungsportfolio gehören die Grueber, die Cordale und einiges mehr. Im Herbst durfte ich ihm einen Besuch im Wiener Büro abstatten und dabei etwas über seinen Werdegang und seine Arbeit für Dalton Maag und die Schrift Cordale im Speziellen erfahren.
Lukas ist ein Absolvent der NDU, der New-Design-University St. Pölten. Dort konnte er unter der fachkundigen Anleitung von Giovanni de Faccio erste Erfahrungen in Schriftgestaltung machen und durch die Vermittlung seiner Lehrerin Ulrike Poetschke ein Praktikum bei Dalton Maag in London absolvieren.
Ist man von anderen Praktika gewöhnt, Kaffee zu kochen, Ablagen zu ordnen und dabei möglichst nicht zu stören, wurde Lukas von Bruno Maag dazu aufgefordert an seinem eigenen Schrift-Projekt zu arbeiten.
Dieses hatte den Namen Grueber, benannt nach dem Architekten Paul Grueber, der im Rahmen von Sanierungsarbeiten auf der Burg Hochosterwitz auch eine Beschilderungsschrift geschaffen hatte. Die ursprünglich reine Versalschrift war Lukas bei einem Besuch der Burg aufgefallen.
Bei Dalton Maag konnte Lukas nicht nur an seiner »Gruawa« arbeiten, sondern auch professionelles Feedback und Anleitung von Ron Carpenter und Bruno Maag bekommen.
Nach dem Praktikum in der Londoner Dalton Maag-Zentrale ging es wieder nach Wien, wo er die Arbeit an der Grueber fortsetzte. Von Dalton Maag erhielt er fast zeitgleich zwei Angebote: erstens bei Dalton Maag zu arbeiten, zweitens die Grueber als Teil der Foundry-Bibliothek zu veröffentlichen. Im Blog von Dalton Maag hat Lukas zur Veröffentlichung eine Entstehungsgeschichte mit Bildern veröffentlicht: A font called Grueber
Seit 2009 ist Lukas nun fixer Bestandteil des Dalton Maag Teams. Die vom dem Schweizer Bruno Maag und seiner Frau Liz Dalton gegründete Londoner Foundry ist einerseits auf Kundenschriften und andererseits auf Schriftgestaltung, die über das lateinische Schriftsystem hinausgeht, spezialisiert. Durch die Größe der Kundenprojekte (Nokia Pure wurde für 20 Schriftsyteme – inklusive Klingonisch – ausgebaut) ist Dalton Maag in den letzten Jahren stark gewachsen und verfügt neben Lukas’ Wiener Nebenstelle über Büros in London und Rio de Janeiro, internationales Teamwork ist daher die Regel.
Dem entsprechend kennt man zumindest Teile von Lukas Arbeit ganz gut.
Für den vom Linux-Betriebssystem-Hersteller Canonical beauftragten Ubuntu-Font übernahm er die Kreativ-Direktion. Der Font ist nicht nur die Standardschrift im Linux-Betriebssytem Ubuntu, sondern dank Open-Source-Veröffentlichung und der Unterstützung für zahlreiche Schriftsysteme weltweit verbreitet. Für den neuen Nokia-Font »Nokia Pure« lernte Lukas die Grundlagen von Devanghari und Bengali und kann sich heute rühmen den vermutlich ersten professionellen, singhalesischen (Sinhala) Font gestaltet zu haben.

Cordale

Ein früheres Teamwork-Projekt ist die in Dalton Maags eigener Bibliothek veröffentlichte Cordale. Der ursprüngliche Entwurf von 2009 stammt von Fabio Haag. Die damals noch bei Dalton Maag beschäftigte Veronika Burian (heute Typetogether) entwarf die Kursive dazu und Lukas Paltram ergänzte die Schrift um einen griechischen und kyrillischen Zeichensatz. 2013 kam noch eine arabische Variante dazu.
Vor allem in den geraden Schnitten fällt die Cordale mehr mit exakter, robuster Gestaltung als mit verspielten Details auf. Sie ist als »robustes Arbeitstier« für ein breites Feld an Anwendungen konzipiert. Die große x-Höhe, die kurzen Ober- und Unterlängen und die geringe Breiten machen sie vor allem für den Einsatz in Zeitungen und Magazinen gut geeignet.
Cordale Anatomie
Auf den ersten Blick erscheint die Cordale zurückhaltend und kühl, ihre freundlichen Züge zeigen sich in den Details. Verspielter, kalligrafischer muten die von Veronika Burian (mittlerweile Typetogether) entworfene Kursive und der griechische Zeichensatz von Lukas Paltram an.
Kurz nach meinem Gespräch mit Lukas hat Dalton Maag die arabische Cordale veröffentlicht. Wie auch bei anderen arabischen Schriften arbeitete Dalton Maag mit dem Leipziger Spezialisten für arabische Typografie Prof. Rayan Abdullah zusammen.
Wichtig bei der Gestaltung der arabischen Cordale war den Charakter zu erhalten und eine gute lesbare Arabische zu schaffen, die auch im Zusammenspiel mit der lateinischenen funktioniert. Ausführlicheres gibt es im Blog von Dalton Maag und im Specimen nachzulesen.

Abschließend möchte ich mich bei Lukas Paltram für den spontanen Frühstückstermin und das nette Gespräch bedanken. Ebenso ein Dank an Dalton Maag für die kostenlose Zurverfügungstellung der Cordale!

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